Sehr geehrte Damen und Herren des Gemeinderates,

wir wenden uns heute, im Rahmen der möglichen Bürgerbeteiligung zur Ermittlung der Lärmbelastung in unserer Stadt, mit einem offenen Brief an Sie.

Die Bürgerinitiative „Für ein lebenswertes Philippsburg“ e.V. begrüßt die Umsetzung eines kommunalen Lärmschutzplanes nach Vorgaben des Verkehrsministeriums und möchte sich auch in diesem Bereich für alle Bürger der Stadt engagieren.

Den vorgestellten Zwischenbericht der Firma Modus Consult und die zu erwartenden Maßnahmen halten wir allerdings für unvollständig und ergänzungswürdig. Sie sind nach unserem Ermessen nicht ausreichend auf unsere Stadt zugeschnitten, zu minimalistisch in ihrer Planung und werden den Möglichkeiten eines Lärmaktionsplanes nicht gerecht, da sie wichtige Faktoren völlig außer Acht lassen – obwohl diese Faktoren bekannt sind und Ergänzungsmöglichkeiten seitens der Kommune bestehen.

„Für eine zielgerichtete Lärmaktionsplanung ist…es erforderlich, die Lärmkartierung 2017…zu ergänzen. Einzubeziehen sind hier verkehrsreiche Kreis- und Gemeindestraßen oder auch lärmrelevante Straßen …. , insbesondere dann, wenn Wohngebäude nah der Straße stehen.“
(Quelle: V.M., B.-W.)

Unsere nachfolgenden Einlassungen beziehen sich auf den Zwischenbericht der Firma Modus Consult in der Fassung vom 06.04.2020 und den daraus resultierenden Maßnahmen.

Die innerörtlichen Verkehrsbelastungen und die daraus folgenden verkehrsrechtlichen und verkehrstechnischen Maßnahmen sind nicht Gegenstand unserer Betrachtung.

Als Bürgerinitiative „Für ein lebenswertes Philippsburg“ unterstützen wir jedoch jede Entlastung unserer Bevölkerung, da wir um die gesundheitlichen Folgen immenser Lärmbelastung durch den Straßenverkehr wissen.

Unser erster Fokus liegt auf der Lärmkartierung der L 602, einschließlich der angrenzenden und einmündenden Straßen und ihrer Lärmpotentiale.

Die hierfür vorliegenden Zahlenwerte von 2017 gleichen einem Blick in den Rückspiegel. Sie zeigen auf, was hinter uns liegt und lassen deshalb den Blick nach vorne, für ein nachhaltiges Lärmkonzept, nicht zu.

Der vorausschauende Blick, für ein lebenswertes Philippsburg in der Zukunft, fehlt gänzlich. Damit sind keineswegs irgendwelche Visionen oder theoretische Planspielchen unsererseits gemeint, sondern hier müssen ganz konkrete Beschlusslagen des Gemeinderats Berücksichtigung finden.

Gemäß des Gemeinderatsbeschlusses vom 19.12.2018 soll auf dem ehemaligen Kasernengelände ein Logistikzentrum entstehen. Dass dies zu einer massiven Zunahme des Schwerlastverkehrs mit gleichzeitig ansteigenden Lärm- und Schadstoffbelastungen führen wird, können selbst die glühendsten Befürworter der Logistik nicht leugnen.

Ein wesentlicher Aspekt also, der in dem Planvorhaben aber keinerlei Beachtung findet. Unser zweiter Fokus richtet sich auf die Nachfolgenutzung der ehemaligen Goodyear-Produktionshallen.

In der Gemeinderats-Sitzung am 16.10.2018 gab die potentielle Investorengruppe Einzelheiten dieser Nachfolgenutzung bekannt. Entsprechend den Ausführungen dieser Investoren soll auf dem Areal ein Gewerbepark mit einem Gewerbe-Mix aus Klein- und Mittelbetrieben auf energieeffizienten Nutzungsflächen entstehen. Sogar von einer Ansiedlung von Start-ups war die Rede.

Ein weiterer Logistiker wurde ausgeschlossen - damals. Entgegen dieser Beteuerungen fand sich – so nebenbei, im Stadtanzeiger Nr. 13 vom 27.03.2020 - eine kurze Notiz, wonach die pfenning logistics hier einziehen wird.

In den Unternehmens-, Wirtschafts- und Branchen-Nachrichten LOGISTIK HEUTE fand sich außerdem: „Die Wirth Gruppe und die Stadt Philippsburg haben…die Entscheidung getroffen, der Pfenning Gruppe…... flexible Lagerkapazitäten ……… zur Verfügung zu stellen.“

Auch diese aktuellen und künftigen Auswirkungen wurden im Planvorhaben nicht berücksichtigt. Die beiden o.g. Beispiele stehen demnach für abgesegneten, zusätzlichen Verkehr im Bereich der L 602, den Verkehrsknotenpunkten Kasernenstraße und Goodyear- Zufahrt, entlang der Kasernenstraße bis zum künftigen Logistik-Areal bzw. Walthersee und von der L 602 bis zur Zufahrt B 35 und weiter.

Die Zunahme dieser vornehmlichen LKW-Verkehre bedeutet eine massive Belastung für alle in der Umgebung wohnenden Bürger. Besonders betroffen sind dadurch alle Bewohner im Großbereich „Mühlfeldsiedlung“, unsere Huttenheimer Mitbürger und alle weiteren Anwohner im „Lärmbereich“ der genannten Straßen und Strecken.

Den „Betriebslärm“ dieser Firmen und den Umstand, dass aus einem Gewerbegebiet zu Gunsten eines Fremdunternehmers ein Industriegebiet gemacht wurde, lässt der vorliegende Lärmaktionsplan ebenfalls völlig außer Acht, mit Folgen für die Bevölkerung, die wir nicht hinnehmen wollen. Weitere Faktoren, die keine Rolle im Planvorhaben spielen.

Als Bürger/innen dieser Stadt können wir Entscheidungen auf der Basis von zeitgemäßen, vollständigen Planungsdaten und einen folgerichtigen, nachhaltigen Lärmaktionsplan von der Stadtverwaltung und dem Gemeinderatsgremium erwarten.

Die vorliegende LAP-Fassung erfüllt diese Voraussetzungen nach den oben gemachten Ausführungen in Bezug auf die L 602 und die einmündenden Straßen nicht.

Der LAP in der jetzigen Fassung wäre somit schon jetzt obsolet und der Sinn und Zweck des Ganzen verfehlt.

Wir erwarten deshalb, dass unsere Anregungen und Wünsche, entsprechend der Sitzungsvorlage zur GR-Sitzung vom 05.05.2020, Berücksichtigung finden.

„Die Öffentlichkeit hat in dieser Zeit die Möglichkeit, Anregungen und Wünsche zu äußern. Die Ergebnisse dieser Mitwirkung sind bei der Ausgestaltung zu berücksichtigen.“

Sollten Möglichkeiten der Lärmreduzierung nicht im Zuständigkeitsbereich der Kommunen zu finden sein, bitten wir schon jetzt darum, diese bei den verantwortlichen Stellen anzuregen und weisen Sie auf diese durch die Ministerien geschaffene Möglichkeit hin.

Lärm zählt mit zu den größten Umweltproblemen unserer Gesellschaft. …… Neben hohen Gesundheitsrisiken für die betroffenen Menschen entsteht hierdurch auch ein immenser wirtschaftlicher Schaden.“
(Quelle: GR-Sitzung,05.05.2020, TOP 7)

Dem stimmen wir, im Sinne eines lebenswerten Philippsburgs, gerne und mit Überzeugung zu!

Nachdem wir uns so mit dem nötigen Bürger-Engagement an dem künftigen LAP beteiligt haben, hoffen wir nun auf das gleiche Engagement von Ihrer Seite - zum Schutze aller Bewohner dieser Stadt.


Mit freundlichen Grüßen
Die Vorstandschaft der Bürgerinitiative Für ein lebenswertes Philippsburg e.V.


Autor: Vorstandschaft Bürgerinitiative für ein Lebenswertes Philippsburg
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Wer sich mit engagieren möchte, kann uns auch per E-Mail über info@lebenswertes-philippsburg.de erreichen oder über das offizielle Kontaktformular.
 
 
 

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