IN PLANUNG: Ein riesiges Logistikzentrum

Der Philippsburger Gemeinderat hat mehrheitlich, aber nicht einstimmig, dem Bau eines neuen Logistikzentrums auf dem ehemaligen Kasernengelände zugestimmt. Es soll auf einem Areal von 13,5 Hektar errichtet werden, das mit Bauschutt bis zu 3m hoch aufgefüllt wurde. Im ersten Bauabschnitt ist eine Halle von etwa 330 m Länge, 85 m Breite und 14 m Höhe geplant. Sie überdeckt damit eine Fläche von 28.000 Quadratmetern. Zwei weitere Hallen von ebenfalls gigantischen Ausmaßen sind in weiteren Bauabschnitten geplant.

Abstand zum Wohngebiet nur 50 m

Dieses monströse Logistikzentrum ist vom Wohngebiet am Walthersee nur 50 m entfernt. Das Gebäude wird sich auf einer Länge von 330 m bis zu 18 m über das Gelände erheben. An dieser langen Gebäudefront wird der Verkehrslärm direkt ins angrenzende Wohngebiet und bis ins Zentrum von Philippsburg reflektiert. Laut Vorschriftensammlung der Gewerbeaufsicht Baden-Württemberg (Abstandserlass) müssen Betriebe zum Umschlag größerer Gütermengen 300 m Abstand zu einem Wohngebiet haben (Abstandklasse V). Warum wird dieser Abstand nicht eingehalten?

Wer ist vom Verkehr betroffen?

Ganz Philippsburg wird durch den erhöhten Verkehrslärm, durch die Feinstaub-, Stickoxid-, Kohlenmonoxid- und Kohlendioxidausstoß verstärkt belastet werden. Diese Schadstoffe machen nicht an einer Straße halt, sondern werden sich in ganz Philippsburg ausbreiten, insbesondere wird auch der Bereich der Schulen und Kindergärten betroffen sein. Auch Huttenheim wird durch das erhöhte Verkehrsaufkommen an der L602 und an der B35 zusätzlich mit diesen Abgasen belastet werden.

Die Argumente „Arbeitsplätze“ und „Steuereinnahmen“

Die Argumente „neue Arbeitsplätze“ und „viel Gewerbesteuereinnahmen“ klingen zunächst verlockend und werden deshalb bevorzugt zur Durchsetzung von Veränderungen eingesetzt. Die von der Firma Dietz angegebenen Werte sind jedoch unverbindlich und nicht belastbar. Für die überbaute Fläche von 80.000 Quadratmetern werden etwa 400 Arbeitsplätze versprochen. Beim europäischen Zentrallager der Firma Goodyear in unmittelbarer Nachbarschaft werden bei einer überbauten Fläche von 112.000 Quadratmetern etwa 250 Arbeiter beschäftigt. Im Vergleich dazu wäre bei dem gesamten geplanten Logistikzentrum der Fa. Dietz mit 180 Arbeitsplätzen zu rechnen. Diese Arbeitsplätze werden sehr wahrscheinlich an Subunternehmen vergeben, die Mitarbeiter aus ganz Europa beschäftigen. Für Philippsburger werden nur wenige Arbeitsplätze zur Verfügung stehen. Außerdem wird die zunehmende Automatisierung künftig einen weiteren Teil dieser Arbeitsplätze vernichten.
180 Arbeitsplätze auf einem Areal von 13,5 Hektar. Welche Verschwendung von Fläche! In einer Firma im angrenzenden Industriegebiet Bruchstücker werden auf einer Fläche von 0,4 Hektar etwa 60 Mitarbeiter beschäftigt. Die für das geplante Logistikzentrum beanspruchte Fläche ist 33 Mal so groß!
Wie viele Arbeitsplätze könnten geschaffen werden, wenn man das Gelände sinnvoll verplanen würde?
Die Gewerbesteuereinnahmen werden nur gering sein. Während der Investor vermutlich gar keine Gewerbesteuer zahlt, werden die Firmen, die die Flächen anmieten, wie üblich durch legale „Steuertricks“ ihre Gewerbesteuer zu senken wissen.

Die Folgen für uns alle

Mindestens 5500 Fahrzeuge pro Tag an den Knotenpunkten an der L602

Zu erwarten sind An- und Abfahrten, sowie Be- und Entladevorgänge im 24-Stunden-Betrieb. Im Verkehrsgutachten „Ehemalige Salmkaserne – Rohrstücker“ in Philippsburg von 2011 wurden für die Kasernenstraße eine Vervielfachung des Verkehrsaufkommens vorhergesagt. Danach soll die Verkehrsbelastung von rund 2200 Fahrzeugen pro Tag auf rund 5000 Fahrzeuge pro Tag anwachsen. Allein der Lkw-Verkehr wird laut Gutachten von 323 Lkw auf 835 Lkw steigen.
Die werktägliche Belastung auf der Huttenheimer Landstraße (L602) liegt, laut Gutachten, bei ca. 5500 – 5700 Fahrzeugen pro Tag. Diese treffen am Knotenpunkt zum zentralen Reifenlager der Fa. Goodyear auf ca. 1100 Fahrzeuge und am Knotenpunkt zur Kasernenstraße auf ca. 5000 Fahrzeuge pro Tag. In den Schlussfolgerungen des Verkehrsgutachtens heißt es dann, dass „nach gutachterlicher Einschätzung insbesondere die Leistungsfähigkeit des Knotenpunktes L602 – Kasernenstraße auf Basis der künftig zu erwartenden Belastungszahlen und vor dem Hintergrund des hohen Schwerverkehrsanteils untersucht werden sollte, da es hier in der heutigen Ausbauform zu Problemen im Verkehrsablauf kommen könnte“.
Dieses hohe Verkehrsaufkommen wird mit einer ungeheuren und vor Lärm-, Abgas- und Feinstaubbelastung der Umwelt einhergehen.
Auch Bürger, die zunächst nicht betroffen erscheinen, werden massiv unter den Folgen des Verkehrs leiden: Staus und Behinderungen an der Huttenheimer Landstrasse werden unsere täglichen Begleiter sein. Der Kreisel an der Engelsmühle wird zum Nadelöhr. Der 10 m entfernte, ampelgesteuerte Übergang für Schüler unterliegt einer erhöhten Unfallgefahr. Pendler werden versuchen, diesem hohen Verkehrsaufkommen auszuweichen und sich „Schleichwege“ durch Philippsburg, Huttenheim oder Rheinsheim suchen.

Die Feinstaub- und Stickoxidbelastung nimmt deutlich zu

Das hat natürlich gesundheitliche Folgen. Stickoxide reizen und schädigen die Atmungsorgane. Erhöhte Konzentrationen in der Atemluft haben einen negativen Effekt auf die Lungenfunktion von Kindern und Erwachsenen. Besonders Kinder sind betroffen, wie eine österreichische Studie zeigt. Nach Angaben der Europäischen Umweltagentur EEA vom Oktober gab es in der Europäischen Union im Jahr 2014 mehr als 520 000 vorzeitige Todesfälle infolge der Luftverschmutzung, davon mehr als 80 000 in Deutschland.
Die Weltgesundheitsorganisation WHO untersuchte die Luftverschmutzung durch sehr kleine Partikel, die besonders gefährlich sind, weil sie tief in die Lungen und das Herz-Kreislauf-System eindringen können. Auf diese Weise können sie Schlaganfälle, Herzkrankheiten, Lungenkrebs und Atemwegsinfektionen wie Lungenentzündung verursachen. Die Luftverschmutzung im Freien wird von der WHO für weltweit 4,2 Millionen Todesfälle im Jahr verantwortlich gemacht.
Müssen diese Berichte nicht eine Mahnung ganz besonders an die Verantwortlichen unserer Stadt sein, stärker gegen Luftverschmutzungen vorzugehen?
Wir dürfen uns nicht damit abfinden, dass unsere Gesundheit massiv unter dreckiger Luft und Lärm leidet und dass uns noch mehr gesundheitliche Belastungen durch Lärm, Feinstaub und Stickoxide zugemutet werden sollen.

Autor: Klaus Notheis, Bürgerinitiative "für eine lebenswertes Philippsburg"


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